Warum müssen die polnischen Verbraucher mehr als ihre westlichen Nachbarn für identische Produkte bezahlen?

Die vorweihnachtliche Zeit bedeutet für Verbraucher oftmals ein reges Einkaufen und stellt für Handelsketten eine ausgezeichnete Gelegenheit dar, ihren Absatz zu erhöhen. Neben dem bereits auf dem UCLP-Portal angesprochenen Thema der Qualität der Produkte, die von ausländischen Handelsketten in Polen verkauft werden, ist auch die Debatte erwähnenswert, die neulich in der polnischen Presse über die Differenzierung der Preise von identischen Waren u.a. in Deutschland und in Polen geführt  wurde. Den Impuls zur Diskussion hat eine Untersuchung ausgelöst, die von einem Unternehmen, das sich mit der Durchführung und Auswertung von Umfragen und Auditen kommerziell beschäftigt, veröffentlicht wurde.

Die Firma Taketask hat die Preise von insgesamt 86 Produkten, die in Lidl-Geschäften in Polen und in Deutschland verkauft werden, untersucht. Aus der beschriebenen Analyse ergibt sich, dass ein Verbraucher ca. 60 Zloty mehr in Polen als in Deutschland für einen Korb mit denselben Waren bezahlt, wobei 70% der verglichenen Produkte in polnischen Läden teurer waren.

Im Gegenzug zu dem vorgestellten Ergebnis der Untersuchung (der falsche Methodik vorgeworfen wurde) erklärten die Vertreter von Lidl, dass der Preis der in dem jeweiligen Land verkauften Waren durch Faktoren wie Steuern, Kosten der Verpackung, Transportierung und Lagerung sowie Ausmaß der Bestellungen geprägt werde. Während auf dem deutschen Markt heutzutage über 3000 Lidl-Geschäfte funktionierten, seien in Polen nur ca. 600 Lidl-Läden tätig. Dies bedeute, dass die Handelskette in Deutschland über eine viel größere Kaufkraft bei der Bestellung bei Lieferanten verfüge, was sich in niedrigeren Einheitspreisen der Produkte wiederspiegle.

Die Erklärungen über die Verhaltensweise der Handelskette haben jedoch Zweifel bezüglich der Gleichbehandlung der Verbraucher in der EU erweckt. Bei der Europäischen Kommission ist schon eine Interpellation von dem Euroabgeordnete Kosma Zlotowski eingegangen, die auf die Bestimmung abzielt, ob das Anbieten von denselben Produkten gleicher Marke in Läden derselben Handelskette aber mit unterschiedlichen Preisen mit der Verbraucherpolitik der EU vereinbar sei und eine lautere Geschäftspraktik darstelle.

Das Thema des Verbraucherschutzes im Kontext der Qualität und der Preise der verkauften Waren ist letztlich zum Gegenstand einer Debatte auf dem europäischen Forum geworden.  Im September 2017 hat die Europäische Kommission ein Programm über die Bekämpfung von unlauteren Geschäftspraktiken, darunter auch den Absatz von Produkten von schlechterer Qualität zu überhöhten Preisen, veröffentlicht.

Von der Bekanntmachung der EU Kommission haben wir schon auf dem UCLP-Portal berichtet.

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